Peisverleihung

Die renommierte katalanische Zeitschrift „Serra d’Or“ vergibt jedes Jahr Preise für die besten Veröffentlichungen und Projekte in verschiedenen Sparten – Literatur, Poesie, Filme, Unternehmensführung, wissenschaftliche Recherchen und Publikationen auf Katalanisch und in Katalonien herausgegeben und durchgeführt – um nur einige zu nennen.

In einem feierlichen Festakt wird unter Anwesenheit eines zahlreichen, interessierten Publikums mit Vertretern aus Presse, Politik und Förderern eine Medaille, die sog. „Serreta“ aus Gold verliehen. In der Sparte „beste wissenschaftliche Recherche 2023“ wurde ich dieses Jahr ausgezeichnet. Es war ein Jahr zuvor meine bereits 1984 in Deutsch eingereichte Doktorarbeit als Buch in katalanischer Übersetzung erschienen, und zwar bei dem renommierten katalanischen Wissenschafts-Verlag „Publicacions de l’Abadia de Montserrat“. Der deutsche Titel lautet: „Sprach- und Nationalbewusstsein in Katalonien während der Renaixença (1833-1891)“. Die Promotion wurde bereits kurz nach der Veröffentlichung mit dem Preis „Nicolau d’Olwer“ vom „Institut d’Estudis Catalans“ (IEC) ausgezeichnet, das von der katalanischen Regierung gefördert wird. Als Begründung für die Auszeichnungen wird die gründliche Recherche in Archiven, einschließlich in Zeitungsarchiven hervorgehoben. So habe ich den Dichterwettbewerb der „Joc Florals“ untersucht, der vor allem im 19. Jh. eine wichtige Plattform für das breite Interesse an der Wiederbelebung der katalanischen Kultur darstellte; dieser jährlich nach wie vor ausgeschriebene Wettbewerb gibt Einblicke in die Aufnahme von wissenschaftlichen Debatten durch ein breiteres Publikum – Debatten, die in Fachkreisen lebhaft geführt wurden. In Archiven fand ich die entsprechenden Dokumente und wertete sie argumentationstheoretisch orientiert aus. Im Fokus meiner Publikation steht die Frage, mit welchen Argumenten und Vorschlägen die „Wiederbelebung“ der lange zur Bedeutungslosigkeit verurteilten katalanischen Kultur und Sprache durchgesetzt wurde. Dazu gehörten Rahmenbedingungen wie die gezielte Förderung durch katalanische Mäzene und eines wohlhabend gewordenen katalanischen Bürgertums. Die Eigenständigkeit und Besonderheit des Katalanischen kam auch in Debatten zum Tragen, die sich um die Vereinheitlichung der katalanischen Sprache drehten: es galt, ebenso Tradition und Moderne in Einklang zu bringen wie die Verwandtschaft mit dem Französischen und Abgrenzung gegenüber dem Spanischen etwa in der Orthographie vorzunehmen. Die Eingrenzung der Jahreszahlen erklärt sich zum einen mit dem Erscheinen eines Gedichtes auf Katalanisch, das als Auftakt zur Renaissance des Katalanischen gilt, und andererseits die Gründung des katalanischen Spracheininstituts, das eine vereinheitlichte Grammatik herausgab, die noch heute als Standard gilt.

Die Eigenständigkeit der katalanischen Kultur ist inzwischen zu einem Politikum geworden; die Forderungen nach Unabhängigkeit stellen eine Dimension dar, die im 19. Jh. nicht gegeben war. Vielmehr ging es vor allem um den Nachweis, eine eigenständige Kultur zu sein, die wieder einen entsprechenden Status erhalten sollte. Insofern war das 19. Jh. entscheidend dafür, dass dies in unserer heutigen Zeit gelungen ist. Meine Arbeit ist dafür ausgezeichnet worden, hierfür bei zu tragen. Sie entstand zu einem Zeitpunkt der Übergangsphase vom Franquismus zur modernen spanischen Demokratie. Als historische Arbeit hat sie nach wie vor Gültigkeit.

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